Berufung zum Pastor gilt ein Leben lang

Diedrich Studer engagiert sich trotz seines Ruhestandes
immer noch in der evangelischen Kirchengemeinde

Er möchte nicht aufhören. Gottesdienste zu feiern oder Senioren zu betreuen empfindet der 82-Jährige keineswegs als Last. Im Gegenteil. Er freut sich, tätig sein zu können.


Von Klaus-Peter Lammert

Damme. Alter schützt vor Engagement nicht. Ein gutes Beispiel dafür ist Diedrich Studer. Obwohl schon seit 20 Jahren evangelischer Pfarrer im Ruhestand, engagiert sich der gebürtige Thüringer in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. "So lange ich das noch körperlich und geistig hinbekomme, kann ich auch etwas tun", sagt der fünffache Vater, der sich selbst als einen "konservativen Lutheraner" beschreibt. Denn: Die Berufung zum Pastor ist eine Berufung auf Lebenszeit."

So feiert er zum Beispiel in den örtlichen Senioren- wohnheimen mit den Bewohnern Gottesdienste, übernimmt Besuche an Geburtstagen und organisiert einmal im Monat gemeinsam mit Ernst Bögershausen und Harald Ignatzek einen ökumenischen Sinnen-Gottesdienst. Auch Sonntagsgottesdienste in Damme und den umliegenden Kirchengemeinden sowie Abendgottesdienste in der Laurentiuskapelle stehen auf dem Programm. Allein im Mai hat der Geistliche, der 13 Enkel und zwei Urenkel hat, acht Gottesdienste gefeiert.

Zudem leitet er seit zehn Jahren den Bibelkreis der evangelischen Kirchengemeinde. Der gründete sich

seinerzeit auf Initiative von Aussiedlern hin. Sie wollten die Bibel kennenlernen. Diedrich Studer sagte Ja auf die Frage, ob er die Leitung übernehmen wolle. "Aussiedler, vor allem die Älteren mit ihrem tiefen und festen Glauben, liegen mir sehr am Herzen.

"Diedrich Studer weiß aus eigener Erfahrung was es bedeutet, die Heimat verlassen zu müssen. 1933 geboren wuchs er bis 1944 in Berlin auf. Dann zog er mit seiner Mutter und den Geschwistern wegen der Bombardierung der Stadt nach Bad Liebenstein im Thüringer Wald. Rund zwei Jahre nach Kriegsende siedelte die Familie nach Kalbe bei Sittensen um. Dietrich Studer legte 1952 in Bad Bederkesa seine Abiturprüfung ab und studierte anschließend zweieinhalb Jahre in Göttingen das Lehramt an Volksschulen.

Dort lernte er auch seine erste, 1993 verstorbene Frau Johanna kennen. In Sittensen arbeiete Diedrich Studer von 1954 bis 1963 als Pädagoge: "Ich war gerne Lehrer." Ehrenamtlich engagierte  er sich in der Kirchengemeinde. "Es war eine lebendige lutherische Gemeinde."

Als schon dreifacher Vater begann er 1963 mit seinem vierjährigen Theologiestudium. Seine Frau sorgte derweil als Lehrerin für den Familienunterhalt. 1968 zogen die Studers um. Diedrich Studer übernahm die Pastorenstelle in Büchen bei Hoya. 27 Jahre blieb er dort. Bis zu seiner Pensionierung 1995. Dann siedelte er um nach Damme, der Heimatstadt seiner zweiten Frau Dorothea Wessel-Ellermann. Sie hatte zusammen mit den Studers in Göttingen Lehramt studiert. Der Kontakt war nie abgebrochen.

Diedrich Studer war kaum nach Damme gezogen, da wurde er, der sehr musikalisch ist und bis zu seinem Schlaganfall vor vier Jahren gerne Geige spielte, Mitglied des evangelischen Kirchenchores. Kurz danach übernahm er die Leitung des Seniorenkreises, die er 2011 aber aus gesundheitlichen Gründen aufgab. Ansonsten aber will er sich weiter in die tägliche Gemeindearbeit einbringen. Und das stets ehrenamtlich. Diedrich Studer ist in der Tat ein Mann, für den das Pastorensein nicht mit dem Eintritt in den Ruhestand geendet hat.

Quelle: OV vom 26. Mai 2015



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