20 Jahre Integration

Alle sprechen gern ueber Integration, aber meistens in der Anfangsphase. Wann ist die Integration abgeschlossen? Wenn darueber nichts mehr gehoert wird oder der Prozess langwierig und so persoenlich ist, dass man nur von teilweise gelungener Integration sprechen kann? Obwohl ich seit 20 Jahren am Puls der Integration lebe und arbeite, koennte ich diese Frage nur nach gruendlichem Ueberlegen beantworten.

Mit 36 kam ich nach Damme, meinte für das neue Leben geruestet zu sein. Im Laufe der Zeit aenderten sich die Anschauungen, ich musste lernen zu unterscheiden. Ich war stolz, zwei Sprachen, zwei Kulturen, zwei Mentali- taeten zu kennen, aber sie forderten staendiges Fragen, Lernen, Mitmachen, Vergleichen. Die Bagage mit Kenntnissen und Fertigkeiten, die ich mitgebracht habe, wurde nur zum Teil genutzt. Trotzdem versuchte man zuerst sein Leben zu meistern. Von Aussen scheint die Integration gelungen zu sein. Aber was machen, wenn du noch Jahre lang in der anderen Sprache traeumst? Warum kommen am Abend, wenn du muede bist, die russischen Woerter eher, auch wenn du tagsueber nur deutsch gesprochen hast? Das ist der innere Teil der Integration, der laenger dauert, oft vernachlaessigt wird, weil keiner sieht und weiss, was in dir vorgeht, was dir fehlt und wie schmerzhaft die Frage, warum integriertest du dich nicht, sein kann.

Durch die Trennung der Kirche vom Staat wuchsen in der ehemaligen Sowjet- union einige Generationen ohne Religion auf. Je aelter man wird, desto oefter sucht man nach Halt, etwas Vertrautem und Bestaendigem. Viele meiner Lands- leute kommen in die Kirche, weil sie sich hier geborgen und ungezwungen fuehlen.

Für meine Eltern war Gottes Wort der Halt im Leben. Sie oeffneten in unseren Kinderherzen das Tuerchen in die weite Welt Christi, haben den Glauben mit auf den Weg gegeben, falls uns das Leben noch mal verschlaegt.

Ich wuenschte, mir mehr Zeit fuer das Unvergaengliche zu nehmen, um den Glauben zu ergaenzen und zu vervollstaendigen, um im Einklang mit sich selbst, mit der Umgebung und mit Gott zu leben.                                 Ella Kirchner



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