50 Jahre Kirche Zum guten Hirten

Als ich zum 01. Juli 1964 nach Damme berufen wurde, hatte ich es gut. Ich war der dritte Pfarrer der noch jungen Kirchengemeinde und konnte aufbauen auf dem, was meine beiden Vorgaenger gebaut hatten. Pfarrer Hans Georg Berg(1945-1952) hatte die Gemeinde nach dem Kriege vor allem aus Fluechtlingen und Vertriebenen gesammelt. Pfarrer Johannes Mutschler (1952-1964) hatte mit dem Gemeindekirchenrat die aeusseren Voraussetzungen fuer ein intensives Gemeindeleben geschaffen: das Gelaende am Osterberg wurde von der kath. Kirchengemeinde gekauft mit der weissen Baracke, die bis 1975 als unser Gemeindehaus diente. 1959/60 konnte dort auch die Kirche gebaut werden.
1964 war unsere Kirchengemeinde - damals noch namenlos - eine kleine Diasporagemeinde von 1150 Seelen. Es war eine lebendige Gemeinde, die treu zum Gottesdienst kam. Der Gottesdienst war eindeutig das Zentrum des Gemeindelebens. Seitdem ist die Zahl der Gemeindeglieder stetig angestiegen, so dass ich am 01. Maerz 2000 die Sorge für 2750 Gemeindeglieder an Pastor Markus Loewe uebergeben konnte. Der Zuwachs an Gemeindegliedern haengt sicher mit der Entwicklung der Industrie und dem Ausbau des Schulsystems in Damme zusammen. Dabei ist nicht zu vergessen, dass die Schliessung des Erzbergwerkes 1966 auch zu schweren Problemen in den Familien und zu einer teilweisen Abwanderung fuehrte. Im Juli 1974 kamen die ersten Deutschen aus der (ehemaligen) Sowjetunion in unsere Gemeinde. Da es zunaechst nur wenige waren, konnten enge Kontakte zu diesen Familien aufgebaut werden. Die ersten brachten bald weitere Deutsche aus Russland mit in unsere Gottesdienste. Ich habe mich bemueht, die Neuzugezogenen in den Haeusern zu besuchen und abzuholen. Da sich die Gemeinde nicht sprunghaft von 1150 auf 2750 Gemeindeglieder vermehrte, war eine grosse Anzahl von Begruessungsbesuchen moeglich. Und doch habe ich meinen Vorsatz, alle Gemeindeglieder zu besuchen, den ich 1964 im Gemeindebrief Nr. 1 angekuendigt hatte, nicht durchhalten koennen. Dazu gab es zu viele Aufgaben, z. B. Religionsunterricht in den Schulen.

Es war mir klar, dass es mein Auftrag war, der Gemeinde immer wieder neu das Wort Gottes zu sagen und die von Christus gestifteten Sakramente als "Lebensmittel" auszuteilen. So blieb der Gottesdienst der Mittelpunkt meiner Arbeit als Pastor. Wir haben besondere Gottesdienste hinzugefuegt in der Christnacht und in der Osternacht, dazu so manchen Gottesdienst für die Jugend. Beim Studium Martin Luthers war mir klar geworden, dass er nicht eine neue Kirche begruenden, sondern die eine Kirche von Fehlentwicklungen und Missstaenden reinigen wollte. Darum hat er so viel wie moeglich aus der reichen Tradition der Kirche beibehalten. Vieles von dem, was Martin Luther beibehalten hatte, aber im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen war, haben wir darum wieder aufgenommen. Dazu gehoert auch die haeufige Feier des hl. Abendmahles. Im Grossen Katechismus nennt Luther es eine "tägliche Weide und Fütterung". Seit 1978 feiern wir das hl. Abendmahl jede Woche und zwar abwechselnd am Sonntag und Samstag.

Da ich niemanden fand, der bereit war, die Jugend woechentlich zu sammeln, habe ich mich entschlossen, wenigstens einmal im Jahr für einige Tage mit den Jugendlichen zusammen zu leben. Daraus sind im Laufe der Jahre 37 Jugendfahrten geworden (9 große Fusswanderungen, 15 Radwanderungen, 4 Ferienlager auf der Insel, 2 Arbeitslager in der oesterreichischen Diaspora und eine Englandfahrt.) Bei all diesen Unternehmungen haben wir nicht nur viel Interessantes erlebt, sondern auch versucht, gemeinsam den christlichen Glauben zu ueben bei Morgen-, Tisch- und Abendgebeten.
Es blieb nicht aus, dass auch gebaut werden musste: mit Steinen und organisatorisch. 1975 konnten wir unser Gemeindehaus einweihen, im Jahr 2000 konnte Pastor Loewe mit seiner Familie in das neue Pfarrhaus am Weizenkamp einziehen.

Oekumenische Kontakte wurden ausgebaut: Oekumenische Gottesdienste, gegenseitige Mitgestaltung der Gottesdienste durch die Choere, Kreis konfessionsverschiedener Ehepaare, oekumenischer Bibelkreis, Begegnung von Pfarrgemeinderat und Gemeindekirchenrat, einmal sogar ein Kanzeltausch, die Israelreise und die "Kleine Herde" (Floetenchor).

Im Jahr 1964 haben wir mit dem Gemeindebrief begonnen. Auch bei der Planung des 1973 eroeffneten Kommunalfriedhofes in Neuenwalde waren wir beteiligt. Ferner haben wir uns in der Sozialstation engagiert – zunaechst mit einer Altenpflegekraft. Ganz neu war die Beteiligung von Gemeindegliedern als Lektoren. Ebenfalls eine neue Aufgabe war der Aufbau von Glaubenskursen, um die Moeglichkeit zu geben, mit dem christlichen Glauben und der Kirche vertraut zu werden. So konnten viele Erwachsene die hl. Taufe empfangen oder konfirmiert werden.

Dankbar denke ich an viele Mitarbeiter in der Gemeinde. Besonders genannt sei der Dienst an der Orgel durch Walter Kliem und Friedhelm Niehues, der Posaunenchor und der nach jahrelanger Pause wieder erstandene Kirchenchor.

Wenigstens genannt seien einige gesamtkirchliche Aufgaben, die ich zu erfuellen hatte: Martin-Luther-Bund in Oldenburg ab 1975, ab 1988 Ausbildung von Vikaren/Vikarinnen, Vertretung des Kirchenkreises Vechta in der Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg von 1984-1995.

Dies kann nur ein sehr lueckenhafter Rueckblick auf die Jahre 1964-2000 sein. Aber wir haben wohl miteinander erfahren, dass wir in diesem Leben alle auf dem Wege sind, auf dem Jesus Christus bei uns ist und uns in das neue Leben mit Gott fuehren moechte. So war es sicher ein richtiger Entschluss, dass wir 1965 unserer noch namenlosen Kirche den Namen "Zum guten Hirten" gaben.

Martin Frebel



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