Geistliches Wort 

Ich glaube;
hilf meinem Unglauben!

Lieber Leser, liebe Leserin!

Noch einmal die Jahreslosung? Sie stand doch schon im letzten Gemeindebrief. Wer dies be- merkt hat, liest ihn aufmerksam. Es gibt Christen, die sagen: - Die ganze Bibel kann ich gar nicht fassen oder immer wieder lesen, aber ein Wort aus der heiligen Schrift begleitet mich mein ganzes Leben und staerkt mich jeden Tag neu. - Mit dieser Einstellung kann man tat-saechlich ganz gut als glaeubiger oder glaubenssuchender Mensch durchs Leben kommen. Einen Vers aus der Bibel immer wieder zu kauen, wie es Luther auch einmal gesagt hat, kann einem manchmal mehr Gewinn bringen, als die Bibel im Schnellgalopp zu lesen und wenig zu verstehen.
Ich glaube, hilf meinem Unglauben. Da glaubt einer, steht aber auch zu seinem Zweifel und hofft, dass dieser nicht so gross wird, so dass sein Glaube gefaehrdet wird. Viele Menschen denken eher so: Richtig geglaubt habe ich frueher einmal, aber dann kamen Schicksalsschlaege in unserer Familie, die liessen mich an einem -guten- und -lieben- Gott zweifeln. Seitdem lasse ich das mit dem Glauben so laufen. 
Sie wuerden ihren Vers vielleicht so formulieren: Ich glaube nicht. Wenn aber dann doch manchmal ein Stück Restglaube aufleuchtet, freue ich mich ein wenig darueber.
Merken Sie, was hier passiert. Da ist jemand ganz ehrlich.
Das ist doch erst einmal gut und aufrichtig. Und, haben Sie es auch gespuert, der Glaube ist nicht ganz verloren gegangen, da ist immer noch eine Sehnsucht und eine zarte Hoffnung. Wenn wir ehrlich sind, geht es uns ja in manchen Lebensphasen auch so, wie dem ewigen Zweifler. Wir sollten uns also nicht arrogant ueber die Menschen stellen, die nicht mehr glauben koennen, sondern uns mit ihnen zusammen auf den Weg machen, den Glauben neu zu suchen.
Natuerlich kommt man dann manchmal zu so schlichten Weisheiten wie: An irgendwas glaubt der Mensch doch immer. Aber warum denn nicht. Was koennte uns solch ein Mensch erzaehlen? Was ist ihm das Wichtigste im Leben? Vielleicht seine Familie, sein Haus, sein Vermoegen, seine Freunde? All das ist ja auch zerbrechlich und koennte bedroht sein, wie der Glaube eines Christen. Der Glaube eines Christen ist ja auch nicht wie eine Siegestrophaee, die man festhaelt und die durch nichts erschuettert werden kann. Das Geheimnis des Glaubens ist ja gerade, dass er zerbrechlich sein kann, dass er erschuettert werde kann. Glaube und Zweifel gehoeren eigentlich immer zusammen. Man muss sich fuer seinen Zweifel nicht schaemen. Für mich ist es aber schoen, dass ich sagen kann: Ich glaube, hilf meinem Unglauben.

Ihr/Euer Uwe Boening


webdesign © 2005 by M.Berndt & purework.de. All rights reserved.
No reproduction of text, images or any other content without prior permission.